Hochschule Albstadt-Sigmaringen

Corinna Korinth 23.02.2022 – 16:42 Uhr

Im Gespräch: Hochschulrektorin Ingeborg Mühldorfer mit Olaf Baldauf, Ulrike Weiss und Albert Sauter von der Denkfabrik Zollernalb. Foto: Korinth
Im Gespräch: Hochschulrektorin Ingeborg Mühldorfer mit Olaf Baldauf, Ulrike Weiss und Albert Sauter von der Denkfabrik Zollernalb. Foto: Korinth

Ingenieure verzweifelt gesucht

Albstadt/Sigmaringen – Tage der Technik oder der offenen Tür hat es an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen schon seit längerem nicht mehr gegeben – coronabedingt. Doch für Werbung in eigener Sache gilt das Gleiche wie für den Lehrbetrieb – ist Präsenz nicht möglich, darf man die Hände nicht in den Schoß legen – dann muss es online gehen.

Im gemeinsamen Livestream der Hochschule und der Denkfabrik Zollernalb haben Unternehmer, Politiker, Dozenten, Absolventen und Studierende gemeinsam versucht auszuloten, wie junge Menschen für ein Studium an der Fakultät Engineering zu begeistern wären.

„Wir dürfen die Innovationskraft nicht verlieren“

Warum das so wichtig ist? Weder die Energie- noch die Verkehrswende seien ohne kreative Ingenieure zu schaffen, warnte der Industrielle und Denkfabrik-Sprecher Albert Sauter, der den Livestream gemeinsam mit dem Unternehmerkollegen Olaf Baldauf moderierte. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut und Hans-Joachim Illgner, Dekan der Fakultät Engineering, pflichteten bei: Deutschland lebe von seinem Wissen und seiner Innovationskraft gerade im Bereich Ingenieurswissenschaften. „Wir müssen aufpassen, dass wir diese Kraft nicht verlieren“, sagte er. Und zwar nicht nur im Interesse der Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch um der Zukunft des Planten willen: „Unsere Zukunftsherausforderungen sind ohne Engineering nicht zu bestehen.“ Egal, ob es um nachhaltige Produktion, regenerative Energien oder Elektromobilität gehe: „Hier wird eine enorme Menge Ingenieurdienstleistungen erforderlich sein.“

Die Hochschule ist oft weiter

Mithin auch Ingenieure – doch die muss man erst einmal ausbilden. Jochen Bitzer von der Firma Gühring war voll des Lobs für Konzepte wie das Kombistudium, die es jungen Leuten ermöglicht, in viereinhalb Jahren sowohl eine Ausbildung als auch ein Bachelorstudium zu absolvieren. Auch im Bereich Innovation sei der enge Kontakt zur Hochschule Gold wert: „Wir sind vor 20 Jahren in die 3D-Modellierung eingestiegen – auf diesem Gebiet war die Hochschule damals bereits sehr viel weiter als wir.“

Florian Mey, Geschäftsführer des gleichnamigen Lautlinger Wäscheherstellers, kann das nur bestätigen. „Die 3D-Produktentwicklung hat bei uns eine Studentin implementiert, die darüber ihre Bachelorarbeit schrieb. Inzwischen arbeitet sie bei uns und verantwortet diesen Bereich.“

Die Politik kam ebenfalls zu Wort. „Wir werden unsere Klimaziele nur einhalten, wenn wir herausfinden, wie wir einen guten Lebensstandard halten können, ohne den Planeten so zu belasten wie bisher“, erklärte SPD-Bundestagsabgeordneter Robin Mesarosch. „Und das müssen Ingenieure tun.“ Thomas Bareiß, sein CDU-Kollege, sieht es genauso: „Hier kann man wirklich etwas bewegen.“

Praktisch eine Jobgarantie

Doch was sagen jene, die es betrifft? Studierende und Absolventen lobten in der Diskussion den Praxisbezug des Studiums an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen, der nicht zuletzt die Jobsuche erheblich vereinfache. „Man hat oft schon während des Studiums einen Betrieb hinter sich – das gibt natürlich Sicherheit“, sagt Tim Eberhardt, der ein Kombistudium im Fach Maschinenbau mit Assa Abloy als Kooperationspartner absolviert. „Dank der engen Verzahnung mit der Wirtschaft können wir unseren Studierenden praktisch eine Jobgarantie bieten“, betonte Matthias Premer, Prorektor Forschung. Die Kooperationsmöglichkeiten mit der Hochschule reichten von der Vergabe von Abschluss- und Projektarbeiten über gemeinsame Förderanträge bis hin zu Dienstleistungsaufträgen an junge Forscher der Hochschule – die Unternehmen könnten auf diese Weise die Lösung von Problemen delegieren, für die im unternehmerischen Alltag die Ressourcen fehlen. Sie müssten nur zugreifen.

Auch im Ausland werben

Umgekehrt müssten auch die jungen Leute wissen, was für Chancen sich ihnen bieten: „Wir müssen ihnen noch deutlicher als bisher zeigen, dass wir sie brauchen, dass sie etwas bewegen können und dass sie hier eine hervorragende Lebensperspektive haben“ , erklärte Hochschulrektorin Ingeborg Mühldorfer. Am Ende waren sich die Beteiligten einig darin, dass sowohl dem Fachkräftemangel als auch den rückläufigen Studierendenzahlen nur gemeinsam beizukommen sei. Michael Vössing von der IHK Reutlingen empfahl, auch stärker auf ausländische Studierende zuzugehen, Francois Fastner von der Albstädter Werbeagentur C2 schlug die Gründung einer gemeinnützigen Stiftung vor, deren Aufgabe es sein könnte, einerseits hierzulande Kinder für Technik zu begeistern, andererseits aber gezielt potenzielle Studenten und vor allem Studentinnen aus Osteuropa, Asien und Afrika nach Albstadt einzuladen. Der knapp zweistündige Lifestream ist über den Youtube-Kanal „Denkfabrik Zollernalb“ zu sehen.

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