Regionalsstadtbahn als Lebensader

Von Lorenz Hertle 29.11.2020 – 16:36 Uhr

Leise und schnell: die Regionalstadtbahn. Grafik: Tricon Design AG Foto: Schwarzwälder Bote
Leise und schnell: die Regionalstadtbahn. Grafik: Tricon Design AG Foto: Schwarzwälder Bote

Mobilität sei wichtig: Das hat auch Albert Sauter von der „Denkfabrik Zollernalb“ bei deren neuester Veranstaltung betont, die aufgenommen und in Youtube eingestellt wurde. Die Regionalstadtbahn ist für ihn Anlass, das ambitionierte Schienenverkehrsprojekt weiter zu entwickeln.

Balingen-Frommern. Interviewgast Dirk Seidemann, Direktor des Regionalverbands Neckar-Alb und nebenamtlicher Geschäftsführer des Zweckverbands Regionalstadtbahn, skizzierte das Vorhaben mit 137 Kilometern elektrifizierten und zweigleisigen Bahnstrecken, mehr Haltepunkten, neuen Fahrzeugen und neuen oder reaktivierten Strecken in drei Landkreisen.

Ob die Regionalstadtbahn Neckar-Alb auch zur S-Bahn werden kann, bejahte Sauter und führte Beispiele langer Strecken aus anderen Regionen an. Ziel sei es, die Pendler von den verstopften Straßen auf die Schiene in bequeme und moderne Züge zu holen. Der Unternehmer sah perspektivisch einen stärkeren Zuzug aus der Region Stuttgart in den Zollernalbkreis, weil in der und um die Landeshauptstadt die Immobilienpreise in die Höhe geschossen seien. Das zunehmende Pendeln habe zu einer starken Zunahme des Autoverkehrs geführt, „ohne dass die Straßen entsprechend ausgebaut worden sind“.

Nicht nur Stuttgart und sein Umland böten attraktive Arbeitsplätze, sondern auch der Zollernalbkreis, warb Sauter für seine Heimat. Aber nur mit dem Ausbau von Straßen sei die Verkehrsmenge nicht zu bewältigen, dafür brauche es die Schiene, so Sauter. Entscheidend sei, dass an beiden Enden Haltepunkte vorgesehen seien in der Nähe zu Wohngebieten und Unternehmen.

Ob man nicht eine neue Bahnstrecke entlang der B 27 von Tübingen über die Fildern nach Stuttgart bauen könne, fragte Sauter den Verkehrsexperten. Seidemann verwies auf frühere Untersuchungen, wonach eine solche Strecke technische Probleme bereite: „Nach jetzigen Kalkulationen würde sich das nicht rechnen.“

Zug fährt mit Wasserstoff und Brennstoffzelle

Marijke Sauter brachte die Talgangbahn ins Gespräch, der jüngst vom Verkehrsministerium großes Potenzial bescheinigt wurde: Ob da dann auch der Halbstundentakt gelte? Das bejahte Seidemann. Der Bahnhof Ebingen wäre dann keine Umsteigestation mehr.

Ein mit Wasserstoff und Brennstoffzellen betriebener Zug wäre laut Seidemann interessant für Verbindungen, die nicht so häufig gefahren werden.

Olaf Baldauf brachte die Folgekosten zur Sprache, „die die Kommunalpolitiker fürchten wie der Teufel das Weihwasser“. Seidemann verwies auf hohe Förderquoten des Bundes und die Zusage des Landes, bei einer Reaktivierung auch die Betriebskosten auf den ersten 100 Kilometern zu übernehmen.

Martin Sauters Idee: Fahrzeuge, die von der Schiene auf die Straße wechseln können. Daran sei nicht gedacht, so Dirk Seidemann, die Planer seien aber bestrebt, möglichst dichte Busverbindungen von den Schienenstrecken in die Dörfer und Städte zu schaffen – vielleicht eines Tages mit autonom fahrenden Bussen.

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