Mit der Regional-Stadtbahn schnell zur Arbeit: Denkfabrik Zollernalb stellt Projekt vor

27.11.2020

Von Renate Deregowski

Mit der Regional-Stadtbahn schnell zur Arbeit: Denkfabrik Zollernalb stellt Projekt vor
Dr. Dirk Seidemann, nebenamtlicher Geschäftsführer des Zweckverbands Regional-Stadtbahn Neckar-Alb, im regen Austausch mit Albert Sauter von der Denkfabrik Zollernalb.

Lag der Fokus beim letzten Mal noch auf dem Bahnfernverkehr, stellte die Denkfabrik Zollernalb am Freitag ihre Überlegungen zur Regional-Stadtbahn Neckar-Alb vor. Als Experte mit dabei: Dr. Dirk Seidemann, nebenamtlicher Geschäftsführer des Zweckverbands Regional-Stadtbahn Neckar-Alb.

Nicht nur die Hauptbahnhöfe bedienen, sondern die Menschen am besten direkt dort hin bringen, wo sie arbeiten – das erhofft sich die Denkfabrik kurz zusammengefasst von der Regional-Stadtbahn.

Vor allem die Pendler sollen weg vom Auto und dem Stau-Frust auf der Straße, hin zu einer schienenbasierten Lösung, die dicht am Individualverkehr liegt. Der Vorteil für die Pendler aus der Sicht der Denkfabrik: Sie können weiterhin in der ländlichen Region wohnen – wie dem Zollernalbkreis – und den vergleichsweise niedrigen Immobilienpreisen profitieren.

Mehr Haltestellen an relevanten Orten

Dafür benötigt es laut Sauter mehr Haltestellen an für Pendler relevanten Orten, also in der Nähe ihrer Arbeitgeber, etwa der Automobilindustrie in Stuttgart.

Seidemann ging einen Schritt weiter in seinen Ausführungen zur Regional-Stadtbahn: Mit ihr könnten auch Innenstädte, beispielsweise von Tübingen und Reutlingen, angeschlossen werden.

CO2-Ausstoß wird durch Regional-Stadtbahn verringert

Auch beim Thema Energiewende sei die Regional-Stadtbahn ein wichtiger Faktor. Wenn vier von zehn Fahrten mit dem Auto vermieden werden, so rechnete Sauter vor, könnte das von der Regierung gesetzte Ziel, bis 2040 den CO2-Ausstoß um 70 Prozent zu verringern, näher rücken. Allein der Einsatz von „Batterieautos“ helfe dabei nicht.

Um den öffentlichen Personennahverkehr auf der Schiene und bei einer Stadtbahn attraktiver zu gestalten, bedürfe es allerdings nicht nur mehr Haltestellen, auch müsste die Taktdichte auf eine halbe Stunde angehoben werden, führte Seidemann weiter aus.

Bus und Bahn besser vernetzen

Ein Liniennetzplan, wie ihn größere Städte aufweisen, ist denkbar. Es bedürfe zudem „attraktivere Busanschlüsse“, die einen etwa von Balingen nach Rosenfeld bringen. Solche Buszubringer plane der Zweckverband aktuell mit.

Mitbedacht werden ebenso Park-and-Ride-Möglichkeiten, führte er aus. In Balingen könnte die an der Volksbankarena entstehen, wo, laut Seidemann, „ein neuer Haltepunkt hinkommt“. Außerdem müssten neue Strecken gebaut und alte reaktiviert werden.

Zukunft in der Elektrifizierung

Die Zukunft sieht er in der Elektrifizierung. Mit ihr mache es Sinn, die Strecke von Ebingen nach Onstmettingen wieder zu betreiben, denn dann wäre Ebingen eine Halte- und keine Umsteigestelle mehr, wie Seidemann auf Nachfrage von Marijke Sauter erklärte.

Die Talgangbahn biete deutliches Potenzial hinsichtlich der Fahrgastzahlen. Er vermutete, dass ihr Wert jenen in der Machbarkeitsstudie angegebenen übersteigt.

Kosten werden geprüft

Olaf Baldauf sprach in Hinblick auf die Talgangbahn die Kosten an. Selbst wenn die betroffenen Kommunen bereit wären zu investieren, sorgten sie sich um den nachfolgenden Abmangel, der sich im Millionenbereich bewegen könnte.

„Wir sind dabei, die Zahlen zu prüfen“, entgegnete Seidemann. Er betonte, dass sich die Rahmenbedingungen seit den ersten Überlegungen „deutlich verbessert“ hätten: Land und Bund böten Fördermittel von insgesamt bis zu 95 Prozent der Kosten für den Infrastrukturausbau.

Ende Januar wird nächstes Projekt vorgestellt

Eine Schienenstrecke entlang der B27, wie es von der Denkfabrik beim vorherigen Termin vorgeschlagen wurde, schloss Seidemann aus. Das sei in der Vergangenheit schon einmal angedacht und wieder verworfen worden. Ganz außer Frage stellen wollte er diese Lösung aber in Hinblick sich wandelnder Mobilität und Arbeitswelt nicht.

Ende Januar soll das nächste Leuchtturmprojekt vorgestellt werden. Dieses dreht sich um den Nah- und Stadtverkehr.

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